Was ist yogisch – was ist unyogisch?
Im März und anlässlich unseres Themenmonats „Mit Kindern philosophieren“ stellten wir uns viele Fragen. Unsere Chefredakteurin Andrea Helten veröffentlichte parallel dazu auf ihrem Blog einen Artikel zum Thema „Ideen-Klau im Kinderyoga“ und beleuchtete hier erstmals ein eher tabulastiges Thema, das jedoch immer wieder traurige Realität ist. Unsere Redakteurin Elke Schwuchow griff auf der Basis des Artikels eine wichtige Frage auf: „Was ist yogisches Handeln? Und was nicht?“ Hier liest du die vielfältigen Antworten der Redaktionsmitglieder.
Elke Schwuchow
Roswitha Gubin
Andrea Helten
Ich beziehe das Thema jetzt mal einzig auf ein eher unangenehmes Thema: Yogis und Yoginis, die sich gerade im Kinderyoga mit fremden Federn schmücken. Mein Artikel zum Thema Ideen-Klau brannte mir schon länger unter den Nägeln. Immer wieder sprach ich zu Recherchezwecken vorab auch mit Kolleg*innen und spürte, wieviel Herzblut in Posts, Angebote und Inhalte einfließen, wie freigebig viele in der Kinderyogaszene sind. Und wie enttäuschend es für diese Kolleg*innen ist, wenn es immer solche gibt, die nur nehmen. Nehmen, ohne Credits zu nennen, ohne zu fragen, ohne Rechte am Text oder gar an Fotos zu haben. Die nehmen und – das ist dann die kriminelle Stufe – sogar fremdes Material zu ihrem eigenen werden lassen. Auch ich habe schon einige Male erlebt, wie Fotos von meiner Tochter und mir auf mir völlig fremden Websites auftauchten. Mal wurde auf meine Frage nach der Erlaubnis hilflos-unwissend reagiert, mal die schnippische Antwort gefunden, ich sei „unyogisch“.
Zuerst mal bin ich ethisch denkender und handelnder Mensch. Und für mich bedeutet das: Von anderen zu nehmen, geistiges Eigentum wissentlich zu stehlen, ist nicht im Sinne von „Asteya“, dem Yama. Und damit meine ich nicht, Inspirationen bei anderen einzuholen. Das ist absolut wünschenswert und ok und ich lasse mich auch gern inspirieren. Ich finde jedoch, ein Yogi, eine Yogini darf bei schriftlichen Konzepten, Fotos, Texten wissen, wo die ethische Grenze verläuft. Und gern andere als Urheber nennen, wenn diese gute Ideen hatten. Das ist für mich yogisch.
Thomas Bannenberg
Was ist yogisch/nicht-yogisch für Dich?! Satya, zu deutsch etwa Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit ist für mich yogisches Verhalten. Einzustehen für eigene Fehler, sich selbst und anderen gegenüber aufrichtig sein. Wahrhaftig sein bedeutet im sportlichen Umgang fair und ohne unerlaubte Mittel gegen andere anzutreten. Regeln nicht zu biegen und zu dehnen, um einen (vermeintlichen) Vorteil zu erzielen.
Sich in den eigenen Möglichkeiten erkennen und die eigenen Grenzen zu akzeptieren – gerade dann, wenn andere „viel weiter“ zu kommen scheinen.
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