Teenyoga aus der Elternperspektive: Gefühlschaos pur!
Nach unserem Artikel zu den größten „Fails„, die wir bei der Arbeit mit Teens erlebt haben (und das nicht, ohne daraus zu lernen), hat sich die Redaktionsmannschaft von PLUS.Kinderyoga.de für einen weiteren Gemeinschaftsartikel zusammengetan. Denn eins eint unsere Mitglieder ebenso: Wir haben alle Pre-Teens und Teens. Und können deswegen ein buntes Wörtchen mitreden, was es heißt, Tür an Tür mit… (bitte selbst ausfüllen) zu leben. Hier kommen unsere Erfahrungen – nicht auf der Yogamatte, sondern in den eigenen vier Wänden!
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Mein pubertierendes Kind sitzt auf dem Sofa. Man kann den erhöhten Puls, die innere Hitze fast spüren. „Kann ich Dir irgendwie helfen?!“ spreche ich eine vorsichtige Annäherung aus.
„Nein! Lass mich in Ruhe. Mir kann eh keiner helfen!“ Fauchend der Ton, abweisend die Körperhaltung. Okay …
„Möchtest Du lieber alleine sein?!“ höre ich mich fragen. Und denke sofort, dass diese Frage eigentlich überflüssig ist bei der vorherigen Ansage. Aber – was sagt mein Kind?!
„Ja, lass mich nur hier alleine sitzen. Keiner will meine Probleme hören.“
„Doch, nämlich ich. Erzähl mal …“Und tatsächlich bekommt mein offenes Ohr nun erzählt, was bedrückt hat. Pubertät ist wie ein ganz langer April der Gefühle, drunter und drüber.
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Als Mama von drei Kindern im Alter von 14, 12 und bald 11 Jahren erlebe ich das Leben zur Zeit wie eine Achterbahnfahrt. Wenn ich in der Früh aufstehe, weiß ich nie, was ich bekomme: Liebe, Wut, Traurigkeit oder vielleicht eine ganz andere Emotion – irgendwas wird mir bestimmt entgegen geschleudert. Oft sehe ich eines meiner Kinder an und es spiegelt sich eine Emotion in seinem beziehungsweise ihrem Gesicht wider und ich frage: “ Alles okay? Du siehst betrübt drein.“ Als Antwort bekommt man ein patziges:“ „Das ist mein Gesicht. So schau ich immer aus! Du bist meine Mutter. Das solltest du wissen.“
Okay, dann habe ich wohl die letzten Jahre mit einem anderen Menschen zusammen gewohnt.Von den alltäglichen Dramen, die sich in der Schule abspielen, ganz zu schweigen. Da bekomme ich schon am Mittagstisch von den diversen Streitigkeiten, dem neuesten Klatsch und Tratsch und anderen Dingen berichtet. Eine Soap im Fernsehen ist da ein Kinderspiel dagegen.Natürlich darf man aber auch nicht vergessen, dass jeder/jede von ihnen einen enormen Entwicklungsschritt macht und das einfach nur anstrengend ist.Ich rede viel mit ihnen darüber und mir ist es auch wichtig, dass sie mir alles am Mittagstisch erzählen, da ich merke, wie sie es belastet und im Aufruhr versetzt. Schließlich werden sie zwar langsam zu jungen Erwachsenen – jedoch sollen sie trotzdem immer ein Gefühl von Geborgenheit, Liebe und Akzeptanz zu Hause bekommen. -
Als Mutter zweier Mädels (11 und 13 Jahre) stecken wir mitten drin. Seit rund zwei Jahren haben wir eine Familien-Dauerkarte für die Gefühlsachterbahn gebucht. Wir wussten, dass sie irgendwann Bestandteil unseres Lebens werden würde und doch kamen die ersten Fahrten überraschend aus dem Nichts und mit voller Wucht. Eher Freefall als Schiffschaukel. Ein bisschen Ice-Bucket-Challenge-artig. In dem einen Moment ist alles super und plötzlich kriegst du von deiner heranwachsenden Tochter eine volle Ladung emotionales Eiswasser über den Kopf gekübelt. In den meisten Fällen komme ich gut damit klar. Anfangs kam der Kübel ja auch erst aus einer Richtung, mittlerweile sind es immer öfter aus zwei.
In vielen Fällen gelingt es mir, gelassen zu sein (bin ich froh, dass ich Yoga mache!). Und mein Herz versteht, dass die Nabelschnur länger wird und das Schneckenhaus manchmal die erste Wahl ist. Ich versuche meinen Mädels ein sicherer Hafen zu sein und genieße jeden positiven Gefühlserguss (auch die gibt es!). Ich tauche dann ein und speichere das Gefühl in mir ab, wenn doch mal wieder eine Umarmung kommt oder ein verschmitztes „Du bist so klein, Mama!“, wo ich so viel Liebe raus höre. Wie muss es erst meinen Mädels gehen, wenn mich der Eiskübel schon so erwischt. Und so trage ich häufig meinen Teflon-Anzug, an dem der Gefühlsorkan abperlen kann und lasse sie gewähren und begleite sie. Ich freue mich, wenn „Frauen-Fragen kommen“, fange sie wieder ein, sage mal nichts oder eine Menge und mache ihnen das Licht an, damit sie aus dem wilden Gefühlsmeer wieder nach Hause finden – zum Zuckerwattestand neben der Gefühlsachterbahn.
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Unsere Tochter ist 16 Jahre und manchmal kommt sie mir schon sehr viel älter vor. Sie ist sehr empathisch, manchmal sogar weise und da sie Psychologie studieren möchte, kann es schon mal vorkommen, dass ich, am Küchentisch beim Mittagessen, den Mund nicht mehr zu bekomme angesichts ihres jetzt schon großen Wissens und ihrer klugen Beobachtungen. Das ist die eine Seite. Die andere ist ein wilder Wildfang, den es nahezu unbändig nach draußen zu ihren Freunden zieht. Und manchmal müssen wir einfach doch mal die Eltern-Karte spielen. Und dann können mein Mann und ich am besten nur noch wegrennen. Wut, Wildheit und ein unbändiger Willen treffen uns – die drei Drachen von Daenerys aus „Game of Thrones“ sind Spielzeuge dagegen!
Dann wird laut diskutiert, debattiert, um jede Viertelstunde Ausgehzeit verhandelt. Mal vernünftig, mal treffen mich Giftpfeile, die wirklich schmerzhaft sind. Und dann denke ich an mich als Teenager. Wie wütend, emotional, unberechenbar, wild ich war. Wie es mich nach draußen zog! Und ich denke still und leise: „So ist das nun mal.“ Da ist sie, die andere Seite. Und im Gegensatz zu meinem Vater damals bleibe ich ruhig, stecke ein. Jugend muss nämlich genau so.
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„Komm her, geh weg!“ beschreibt wohl am besten das momentane Verhältnis unseres dreizehnjährigen Tween-Mädchens zu uns. Closed-Door-Policy ist an der Tagesordnung, aber wenn das kleine Herz Zuneigung braucht, habe ich bitte da zu sein. Nur solange und so viel, wie sie gerade braucht, um sich meiner Liebe zu versichern. Recht machen kann ich es ihr selten, aber wenn, dann belohnt sie mich vor dem Einschlafen mit einem herzigen „Ich hab dich soooo lieb!“ und der Bitte noch en wenig mit ihr zu kuscheln und mein Mama-Herz wird ganz weich.
Bis der nächste Morgen des Grauens kommt und ein wieder übellauniger Tween in die Küche schlurft, der mit allem, was seine Mimik und Gestik zu bieten hat, ein „Geh mir aus den Augen“ verkörpert. Okay, habe verstanden. Ich geh dann mal wieder… Und bin natürlich immer wieder für dich da! Als Punching-Ball, als Kummer-Kasten, als sicherer Hafen. Ich werde mit dir alle Stürme der Pubertät überstehen, wenn du mich lässt.