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© Maike Schößler

Farben sammeln à la Frederick

Noch Grün hinter den Ohren sein? Nicht das Gelbe vom Ei? Mal blau machen?

Farben wirken! Und Wörter noch dazu. Einer, der das ziemlich gut weiß, ist ein kleines Nagetier. Seit mehr als 50 Jahren sammelt Frederick, die Maus, in den Kinderzimmern dieser Welt Farben, Wörter und Sonnenstrahlen. In der Geschichte von Leo Lionni steckt alles für eine rundum gelungene Kinderyogastunde: Achtsamkeit, alle Sinne und sympathische tierische Gesellen. Unsere Redakteurin Maike Schößler erklärt, wie du dieses zauberhafte Buch für deine Yogastunden nutzen kannst, um warm, fröhlich und farbenfroh durch den Winter zu kommen.

Kinderyogageschichte: das Stundenbild

Die Geschichte der kleinen Maus eignet sich hervorragend als Grundlage für die Kinderyogastunde. Löse dich vom Text und schmücke sie nach Herzenslust aus. Lass die Mäuse Vorräte sammeln, integriere die erwähnten Kühe, Pferde und Steinmauer in dein Stundenbild. Thematisiere den Herbst und den Winter, die Mäuse und andere Tiere, die Winterschlaf halten. Sammle Farben, achtsame Frederick-Momente und Sonnenstrahlen.

Die Geschichte in Kürze: Eine Feldmausfamilie, zu der Frederick gehört, sammelt im Herbst fleißig Vorräte, die sie in der Natur finden. Nur Frederick beteiligt sich nicht an der umtriebigen Vorbereitung. Er sitzt faul in der Gegend rum und scheint zu dösen. Darauf angesprochen erklärt er sich, er sammle Sonnenstrahlen, Farben und Wörter für die kalte Jahreszeit. Und wirklich: Als der graue, trostlose Winter da ist, die Nahrungsmittel fast verbraucht und die Mäuse leergequatscht sind, sorgt Frederick mit seinen achtsam gesammelten Vorräten für wärmende Herzensmomente.

© Maike Schößler
© Maike Schößler

Frederick-Momente sammeln

Frederick ist ein kleiner Achtsamkeitslehrer. Während die Feldmäuse um ihn herum wuseln, taucht nach innen ab und ist ganz bei sich. Er sorgt für die weichen Faktoren im „harten Feldmaus-Arbeitsalltag“, in dem er sich seiner Welt im Hier und Jetzt bewusst wird, schöne Worte sammelt, Farben inhaliert.

Ideen für den Kinderyogaunterricht:

  • Mit den Kindern zusammen Ideen sammeln, wie man Frederick-Momente (Pausen) in den Alltag etablieren kann und wie man seine Familie daran teilhaben lassen kann. In jedem von uns steckt ein Frederick, der die anderen dran erinnern kann, dass nicht nur Arbeit wichtig ist.
  • Den Drehsitz machen, rechts und links nach schönen Wörtern schauen und überlegen, welche man in den Winter mitnehmen würde
  • Frederick-Moment: Sitzen, Augen schließen: Was kannst du hören? Wie fühlst du dich gerade? Schwer, leicht, warm, kalt, überall gleich? Augen öffnen: Was siehst du? Was ist schön?

Sonnenstrahlen sammeln

Das Thema „Sonne und Wärme“ eignen sich immer gut in der Kinderyogastunde. Ideen:

  • Sonnengrüße
  • Sonnenatmung
  • Lichtmeditation: Ein goldenes Licht, das sich von innen heraus mit jedem Atemzug ausbreitet und Wärme und Licht in jeder einzelnen Pore verteilt
  • Flüssiger Sonnenschein: ein Tropfen hochwertiges Zitronenöl in die Hände nehmen, Hände gut verreiben bis sie schön warm sind, eine Schale formen und schnuppern
  • Wärme erzeugen mithilfe von Asanas: Boot, Planke, dynamischer Tiger, etc.

Farben sammeln

Der Herbst macht es einem leicht. Die Natur gibt farblich nochmal alles ehe sie sich selber eine Pause könnt. Als wolle sie sich dafür entschuldigen, bald den Rückzug anzutreten. An der Stelle von Rot, Gelb und Grün legen sich nun bald Grau, Braun und Dunkelheit, die zu Rückzug und Einkehr einladen. Welch schönes Bild Frederick vermittelt, die Farben in diese farblose Zeit innerlich mitzunehmen.

Dass es kalte und warme Farbtöne gibt, lernen Kinder bereits im Kunstunterricht. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Farben tatsächlich unser Temperaturempfinden beeinflussen. Rot, Orange- und Pinktöne wirken warm. Verbindet man einer Person die Augen und führt sie in einen rot gestrichenen Raum, steigt tatsächlich die Körpertemperatur, wenn man ihr die Augenbinde abnimmt. Ist der Raum in blauer Farbe gestrichen, sinkt sie wieder. Die kleine Maus Frederick ist also gut darin beraten, besonders warme Farben im Winter hervorzuholen.

 

© Maike Schößler
© Maike Schößler

Farbenpsychologie: So wirken Rot, Gelb und Grün

Wir Farben im Unterbewusstsein wirken, beweist folgender Selbsttest: Stelle dir einen Teller voller köstlicher Nudeln vor mit einer roten Tomatensoße. Jetzt stellst du dir das Essen in einer grünen Variante vor. Geschmack, Konsistenz und Geruch bleiben gleich. Vermutlich wird dir der Appetit vergangen sein beim inneren Anblick dieser grünen Mahlzeit. Der Urinstinkt bewahrt die Menschen davor, Verdorbenes (die Farbe grün) zu essen. Mit diesem Hintergrundwissen können wir also unsere Stimmung gezielt beeinflussen und mithilfe unserer Gedanken die Wirkung von Farben nutzen:

Rot – die Leidenschaftliche

Stärke, Selbstbewusstsein, Dynamik, Liebe, Leidenschaft, Zorn, Aggression. Warnsignalfarbe
Affirmation: „Ich fühle mich wohl in meiner Haut.“

Orange: die Ausgelassenheit

Lebenslust, Energie, Optimismus, Geselligkeit und Abenteuergeist. Herbst, Erntezeit
Affirmation: „Ich bin kreativ.“

Gelb – die Wärme

Lebenslust, Sonne, symbolisiert Neugier, Freiheitsliebe und Spontanität, fröhlich, aufhellend, wärmend, spontan
Affirmation: „Ich bin mutig.“

Grün – die Hoffnung

Das blühende Leben, Fruchtbarkeit, Gesundheit, Frische, Sicherheit
Affirmation: „Ich liebe und werde geliebt.“

Rosa – das Feminine

Mischung von Liebe und Unschuld (Rot und Weiß). Zartheit, Feinheit, Weiblichkeit, Gutgläubigkeit und Naivität. „Auf rosa Wolken schweben“
Affirmation: „Ich kümmere mich gut um mich selbst.“

Violett/Lila: das Zauberhafte

Farbe der Magie und Macht, besänftigend, schmerzstillend, inspirierend. Je nach Farbton wärmend oder kühlend
Affirmation: „Ich glaube an mich.“

Blau: die Harmonie

symbolisiert Vertrauen, Klarheit und Sicherheit, Harmonie, Wohlbefinden, Ehrlichkeit, soll sogar Verspannungen und Schmerzen lindern
Affirmation: „Ich bin sicher.“

Mit diesem Wissen können die Yogis beim Kinderyogaunterricht eine entsprechende Wirkung erzielen. Hier einige Ideen, wie du Farben im Kinderyogaunterricht nutzen kannst:

  • Frag deine Yogis, welche Gefühle sie Farben zuordnen
  • Mithilfe von Farbkarten aus dem Baumarkt kannst du die Farbenvielfalt verdeutlichen: Tut euch zu zweit zusammen. Jedes Paar hat Farbkarten vor sich liegen. Ein Kind schließt die Augen, das andere nimmt eine Farbe weg. Das Kind öffnet die Augen und errät, welche Karte fehlt
  • Farben in der Natur sammeln: Wie viele unterschiedliche Grüntöne findest du?
  • Farben im Raum sammeln: Komm in die Bootshaltung und reiche bunte Chiffontücher mit den Füßen von einem Kind zum anderen (da wird der Bauch schön warm)
  • Pom-Pom-Spiel: Verteile bunte Pom-Poms im Raum und markiere die „Steinmauer“ – das kann ein Hula-Hoop-Reifen sein, ein Seil oder ähnliches. Wähle ein Lied aus und verteile Strohhalme. Die Kinder sind nun die fleißigen Feldmäuse, die Frederick helfen Farben zu sammeln. Mithilfe ihres Strohhalms sammeln sie die Pom-Poms (aka Farben) und bringen sie zur Steinmauer. Stoppt die Musik, droht Gefahr (der Adler in der Luft) und die Mäuse versteinern. Dann geht es so weiter bis alle Farben eingesammelt wurden.
  • Farb-Meditation: Die Kinder liegen entspannt auf ihren Matten und denken an ihre Lieblingsfarbe. Nun stellen sie sich vor, dass sie einen innerlichen Pinsel haben und sich nach und nach von innen in dieser Farbe anmalen. Überall, wo schon Farbe ist, entspannen sie sich.
© Maike Schößler

Über Maike Schößler

Als Journalistin und Buch-Autorin schreibt Maike mindestens genauso gerne über (Kinder-)Yoga wie sie Kinder und Erwachsene als Yogalehrerin unterrichtet. Darüber hinaus bildet sie mit großer Freude neue Kinderyogalehrerinnen in Münster aus, wo sie mit ihrer Familie und Zwergdackel Erna lebt.

Weitere Infos auf: www.kabäusken.de

Weitere Beiträge von Maike:

Rezension_Om

Das Buch am Tisch: „Ich zähle jetzt bis Ommm“ von Andrea Helten

© Maike Schößler

Farben sammeln à la Frederick

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